Die Unterstützung aus der Familie war immer sehr wichtig für mich. Am Ende bleibt oft nur die Familie übrig, weil Freunde oft nicht wissen wie sie mit der Diagnose und Situation umzugehen haben.

10. Januar 2017
Es vergeht kein Tag an dem wir nicht an dich denken. Du fehlst uns.
Erst durch das letzte Jahr habe ich selbst erleben müssen, welch schwere Zeit du durchlebt hast. Natürlich kann ein gesunder Mensch ein wenig mitfühlen, aber niemand kann es wirklich nachempfinden ohne es selbst durchlebt zu haben, gerade in noch so jungen Jahren. Die Ängste zu wissen alles hinter sich lassen zu müssen, nicht mehr an den Ereignissen seiner Kinder teilnehmen zu können. Das sind unvorstellbare Qualen die du ertragen musstest. Ich habe es nur ansatzweise erleben müssen, aber die Schmerzen, die vielen Tränen und die permanente Traurigkeit habe ich gespürt.
Mit dem Wissen des selbst erlebten würde ich heute vieles anders machen. Ich war zwar immer in Gedanken bei dir und habe dich auch öfters besucht und versucht moralisch zu unterstützen, aber es gibt so viel mehr was ich für dich hätte tun können. Vorallem deinen letzten Wunsch hätte ich dir so gerne erfüllt. Das quält mich bis heute liebe Tini. Du fehlst mir.
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7. Februar 2017
Kaum zu glauben das es schon zwei Jahre her ist das du uns für immer verlassen hast. Es ist viel passiert, viel Schlechtes, aber auch einiges Gutes. Auf das Gute müssen wir blicken um die Zukunft positiv gestalten zu können.
Aber der unsägliche Schmerz den wir als Familie haben ertragen müssen bleibt für immer in uns. Es ist noch immer nicht zu verstehen was wir erleben mussten. Dennoch stelle ich mir nicht die Frage "Warum uns?" "Warum so?". Darauf gibt es einfach keine Antwort. Es ist unser Schicksal mit dem wir zu leben lernen müssen.
Das ist das letzte gemeinsame Bild von uns. Ich erinnere mich noch genau. Es war an deinem 50. Geburtstag. Ein letztes gemeinsames Abendessen im großen Kreise der Familie.
Du warst so tapfer und stark dieses Ereignis auf dich zu nehmen. Ich weiß nicht was du in diesem Moment gefühlt, vielleicht sogar geahnt hattest. Aber du hast es uns nicht spüren lassen. Du bist eine unheimlich starke Schwester auf die ich immer stolz blicken werde.
Kurz danach musstest du auf die Palliativstation. Eigentlich nur für eine Woche geplant, aber leider war es dir nicht vergönnt nochmal nach Hause zu kommen. Die Unterstützung der Palliativstation war für dich sicherlich unter dem Gesichtspunkt deiner gesundheitlichen Versorgung eine große Hilfe.
Aber als du mir dreimal ins Ohr flüsterste ”Komm wir fahren jetzt nach Hause" blutete mein Herz. Zwar antwortete ich damit das dein zu Hause da ist, wo wir alle gerade zusammen sind (ich habe das von Julia übernommen). Es klang in diesem Moment passend, weil wir auch so hilflos waren und es nicht mehr ändern konnten. Ich fühle mich aber bis heute nicht gut damit.
Ich hätte dich so gerne nach Hause gebracht, aber es ging nicht mehr. Es war zu spät und du so geschwächt. Es tut mir so leid, Tini.
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26. August 2017
Mein Sohn hat sich nun final entschieden den A1 Führerschein (Motorrad bis zu 125 ccm) zu machen und inzwischen hat er auch mit Theorie begonnen und die ersten Fahrstunden hinter sich gebracht. Zuletzt war er noch unentschlossen, ich habe ihn dann selbst ein wenig dazu überredet.
Aber warum? Sicherlich weil ich selbst so gerne fahre und ich mit 16 Jahren ebenfalls den damaligen 1B gemacht habe. Aber die Sorge und die Angst wissend um die Gefahren eines motorisierten Zweirads, lassen mich und mehr noch Madeleine, öfters daran zweifeln ob es richtig ist.
Dann allerdings blicke ich 22 Monate zurück. Als ich die Diagnose erhielt, die Erinnerungen an meine Schwester und Vater noch so frisch waren, und mir Millionen von Gedanken durch den Kopf schossen und ich Angst hatte Dinge meines Sohnes nicht mehr erleben zu können: Die erste Freundin, der Schulabschluss und eben auch der Führerschein. Nun habe ich die Möglichkeit erhalten und auch erkämpft, um dies erleben zu dürfen und deshalb pushe ich ihn auch in dem Wissen dadurch viel bewusst mitnehmen zu können.
Es werden sicherlich auch mal wieder andere Zeiten kommen. Davon gehe ich aus, deshalb gilt es das hier und jetzt zu genießen. So wie heute das Wochenende auf der Gamescom in Köln. Auch etwas das ich ausschließlich für meinen Sohn mache und das bereits zum vierten mal. Diese Erinnerungen wird ihm niemand mehr nehmen, mir auch nicht. Das macht mich glücklich.
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10. Januar 2018
... durch Dick & Dünn, gemeinsame Tiefen durchschritten und Höhen erklommen. Gute Zeiten, schlechte Zeiten erlebt, aber immer zueinander gehalten. Den besten Sohn an unserer Seite, die liebsten 4-Beiner um uns gescharrt. Unsere 4 Traumwände gegen Widerstand aufgebaut, jedem seinen Freiraum gelassen, das gemeinsame Leben geniessend - vorallem jetzt.
Was kann Mann sich mehr wünschen? Nichts. Ich liebe dich, für immer.
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26. Mai 2019
Mein Sohn wollte bereits letztes Jahr an dieser Veranstaltung (@bikers.vs.cancer auf Instagram) teilnehmen. Aber genau an dem Tag der Veranstaltung flogen wir in den Urlaub. Dann eben dieses Jahr - und ich durfte auch mit.
Dabei bildete ein anderen Teilnehmer und ich den ältesten Rat dieser Veranstaltung in München. Soll heißen der Grossteil der Teilnehmer war zwischen 16 und 24 Jahre jung. Und genau das hat mich am allermeisten beeindruckt.
Was die Jugend heute für Themen angeht, ist äusserst beachtlich. Wer fuhr vor 35 Jahren schon für krebskranke Kinder zum Spendensammeln herum oder ging Freitags zum demonstrieren über den Klimawandel und das regelmäßig jede Woche?
Die Jugendlichen haben heutzutage auf alle Fälle dicke Eier in den Hosen. Chapeau.
Und das ich mega stolz auf meinen Sohn bin, muss ich natürlich auch noch loswerden. Wie er die ganzen widrigen Umstände in unserer Familie gepackt hat, wobei er selbst eine Menge mit sich ausmachen musste, wie Schulwechsel aufgrund Mobbings, ist das schönste für mich. Du bist ein toller Sohn.
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