Sorge

1. März 2017

Meine schlimmste Zeit
Lesedauer: 4 Minuten
mehr

Die schlimmste Zeit während meiner gesamten Behandlung, inklusiver aller OPs und Untersuchungen war während der Bestrahlung. Diese startete heute genau vor einem Jahr.

Die Bestrahlungs-Odysee

33 Bestrahlungen, jeden Tag außer am Wochenende und an Feiertagen. Jeden Tag mit dem Taxi 30 Km hin und zurück. Immer schauen das die Blase gut gefüllt und der Darm entsprechend leer ist. Es stellte sich eine gewisse Routine ein: jeden Morgen der gleiche Ablauf, die gleiche Menge trinken und essen. Im Normalfall ganz einfach.

Personen mit eigenen Bestrahlungserfahrungen meinten im Vorfeld es sei alles recht locker und entspannt. So war ich selbst anfangs auch recht entspannt, zumal sich nach den ersten drei Anwendungen alles ganz gut einspielte. Allerdings merkte ich nach kurzer Zeit schon die negativen Auswirkungen auf meinen Körper. Die OP-Narbe schwoll an und verengte dadurch die Harnröhre (Anastomosenstriktur). Und das bereits nach einem Drittel der Anwendungsserie. Die Verengung führte zu einem schwächeren Strahl und es bestand die Gefahr auf ein Urinstau. Das musste natürlich vermieden werden.

Um die Striktur zu entfernen war ein kleiner operativer Eingriff notwendig. Dieser Eingriff hätte allerdings zu einer Unterbrechung der Bestrahlung geführt. Da die Onkologen die Bestrahlung jedoch nicht unterbrechen wollten, wurde mir ein sogenannter "Pufi" (Fachbegriff: subrapubische Katheter), also ein Bauchdeckenkatheter gelegt.

Durch die Bestrahlung war die Gegend um die Blase bereits in Mitleidenschaft gezogen und es fiel mir schwer die Blase bzgl. Füllstand so zu steuern das problemlos "angestochen" werden konnte. Denn zum durchstechen der Bauchwand und Blase war eine volle Blase notwendig. Es war schon so für mich nicht einfach eine gut gefüllte Blase zu erreichen, aber wenn ich dann auch nur auf Zuruf zum Anstich hereingerufen werde, musste ich dreimal kurz vor dem Anstich aufgrund des großen Blasendrucks aufs Klo. Völlig verzweifelt wollte ich es für diesen Tag komplett abbrechen. Beim letzten Versuch sollte es dann aber klappen.

Den Stich selber habe ich eigentlich nicht bemerkt. Im Gegenteil es stellte sich rasch eine gewisse Erleichterung ein, denn die Blase leerte sich. Allerdings ging viel durch die Anstichstelle heraus, so dass ich mich fast komplett im Beckenbereich einnässte. Zwar sollte ich meine Klamotten etwas nach oben bzw. nach unten ausziehen, aber eben nicht ganz aus. So war dann einiges etwas feucht. Ersatzkleidung nicht dabei.

Nachdem der Katheter gelegt war, war es anfangs bei der Bestrahlung recht einfach den Blasenfüllstand mit dem Katheter zu kontrollieren. War zuviel drin, einfach öffnen und ein bisschen ablassen.

Allerdings folgte jetzt auch die schlimmste Zeit. Denn es passierte immer wieder das der Katheter "verstopfte" und ich massive Probleme mit der Entleerung bekam. Es waren immer so ekelige lange Blutfäden die sich den Weg durch den Katheter suchten. Alles normal laut Ärzte.

Die Verstopfung war dann so schlimm das ich manchmal kurz davor war den Notarzt zu rufen. Im Rhythmus von vielleicht immer wieder drei Stunden, floss der Urin und dann wieder nicht für drei Stunden und das über einige Wochen hinweg. In dieser Zeit wenn es nicht floss, erlitt ich Höllenqualen. Ich musste dringend, ganz dringend, aber es lief nichts und das für drei Stunden. Welch Qual, Blut und Wasser geschwitzt. Hilflosigkeit machte sich bei uns breit. Spülungen mit Kochsalzlösungen brachten nur vereinzelt einen Erfolg. Oft schied dann die Kochsalzlösung direkt durch die Harnröhre aus, ohne das aber sich meine Blase entleeren konnte. Über Wochen keine Nacht durchgeschlafen.

Am Ende der Bestrahlung war die Erleichterung schon groß und es war ein tolles Gefühl die Glocke zum Abschluß zu läuten, aber die Probleme hielten noch rund zwei Wochen nach der Bestrahlung an.

Und dann plötzlich, zwei Tage vor meinem 50. Geburtstag, wurde es besser. Mein schönstes Geschenk!



Relevante Themen:

23. Mai 2017

Die Sache mit dem PSA-Wert
Lesedauer: 3 Minuten
mehr

Zur Bestimmung meines aktuellen Gesundheitszustandes wird seit einem Jahr regelmäßig der PSA-Wert ermittelt. Zur Zeit alle drei Monate! Nur anhand dieses Wertes wird dann über weitere notwendige Behandlungen entschieden. Bleibt der Wert wie bisher unter der Nachweisgrenze, wird einfach nur weiter beobachtet. Dies ist ein definiertes Vorgehen.

Es fühlt sich aber etwas seltsam an und für mich als Laie ist dies nicht immer ganz nachvollziehbar. Es bleibt eine gewisse Unsicherheit und mich quält dann des öfteren die Frage ob nicht doch weitere Untersuchungen, wie ein MRT oder ein CT, sinnvoll wären? Ist es nicht naiv sich nur auf den PSA-Wert zu verlassen?

Zumal es ja so ist das während der Früherkennung Zweifel vorliegen ob der PSA-Test das richtige Instrument zum bestimmen eines Prostatakarzinoms ist. Nachdem aber ein Prostatakarzinom diagnostiziert und zB durch eine Chemotherapie, OP oder Bestrahlung behandelt wurde, gilt der PSA-Test als der Marker schlechthin, um eine mögliche Ausbreitung der Karzinomzellen zu bestimmen.

Und das ist nun ein bisschen mein Dilemma und daher rührt auch meine Unsicherheit. Lange Zeit konnte ich das nicht verstehen warum es Zweifel an den PSA-Wert bei der Früherkennung gibt, aber man sich in der Nachsorge allein darauf stützt. Ich musste erst einiges lesen um meinen Knoten im Hirn zu lösen.

Erklärung:

Das Prostata-spezifische Antigen (PSA) wurde 1970 entdeckt und ist ein Protein (Eiweiß), das von den Prostatadrüsen gebildet wird und daher „spezifisch“ für die Prostata ist.

Aber warum gibt es dann noch einen im Blut nachweisbaren PSA-Wert, wenn wie in meinem Fall, die Prostata samt Karzinom durch zB eine OP aus dem Körper entfernt wurde?

Das liegt daran, das auch bösartigen Zellen eines Prostatakarzinoms PSA bilden. Karzinomzellen bilden dabei erheblich (bis zu 10 mal) mehr PSA als normale Prostatazellen. Und nachdem bei mir nun der Tumor bereits vor der OP aus der Prostatakapsel ausgebrochen war, ist die Wahrscheinlichkeit hoch das weitere bösartige Karzinomzellen bereits in meinem Körper unterwegs sind. Dies kann im übrigen auch allein schon nur durch die Prostatabiopsie passiert sein. Durch die Entnahme von Prostatagewebe währdend der Biopsie können bösartige Zellen die Prostata verlassen und sich im Körper ausbreiten. Wie hoch diese Wahrscheinlichkeit ist, kann ich nicht sagen. In meinem Fall auch nicht entscheidend, da ja bereits befallene Lymphknoten entdeckt wurden.

Diese Karzinomzellen sind vermutlich noch inaktiv bzw noch so winzig und mit heutigen Mitteln, zb durch ein PET/MRT, nicht nachweisbar. Sollten diese Karzinomzellen allerdings wachsen bzw. aktiv werden, dann schütten diese wieder PSA aus.

Dann bleibt nur zu hoffen das dies durch den PSA-Test rechtzeitig festzustellen ist, bevor diese Zellen im schlimmsten Fall andere Organe erreicht haben.



Relevante Themen:

20. September 2017

Double (Strike)
Lesedauer: < 1 minute
mehr

Wieder einmal erfreuliche Nachrichten. PSA Wert ist weiterhin bei NULL.

Aber ich muss gestehen, die Nervosität steigert sich zunehmends kurz vor dem 3-monatigen PSA-Test. Ich hoffe die Nervosität wird irgendwann mal weniger. Daran zweifel ich allerdings, denn die Angst vor schlechten Nachrichten wird deutlicher je mehr Zeit vergeht, da ich mir denke das die eigentlich vorhandenen bzw übriggebliebenen Krebszellen doch irgendwann aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen werden. Oder habe ich soviel Glück, das es wirklich vorbei ist? I don't know!

Und wann gibt es den psychologischen Turnover? Vielleicht erst in Jahren, bis dahin bleibt bzw verstärkt sich wohl weiterhin die Anspannung vor diesem Termin - und das nicht nur bei mir und mein Umfeld muss weiterhin unter meiner Anspannung leben bzw leiden.



Relevante Themen:

16. Juni 2018

Die Endlosschleife
Lesedauer: 2 Minuten
mehr

Es ist wieder Zeit für die 3-monatige PSA Messung. Nur dauert es diesmal 8 Tage bis ich das Ergebnis bekomme. Lange 8 Tage.

In dieser Zeit quälen mich die Gedanken mehr denn je. Warum? Weil ich fast jeden Tag ein anderes Wehwehchen habe. Diese Wehwehchen drängen mir Gedanken über ein neuerliches Aufflammen des Tumors in den Vordergrund.

Am Ende lässt sich jedes Problem wahrscheinlich einfach und rationell erklären, aber einmal Krebsdiagnose, bleibt die Angst und Sorge. Ein rationales Denken ist schwer möglich.

Warum bin ich so schlapp und müde?
Sind sicherlich die Nachwehen vom anstrengenden Urlaub. Die Zeitumstellung und der Jetlag tragen auch ihren Anteil. Der Eingriff zur Entfernung des Ports, drei Tage nach der Rückkehr, ist auch eine Erklärung für die Erschöpfung. Arbeiten zu müssen, ohnehin schwierig mich dort zu motivieren. Noch schwieriger nach einem so schönen Urlaub.

Gelenkschmerzen
Auf einmal hatte ich an einem Tag im Handgelenk Schmerzen. Am Tag danach noch zusätzlich in der Schulter/Nacken. Ich konnte morgens kaum aufstehen. Vermutlich wetterbedingt, einfach verkühlt und verspannt. Wurde auch nach 2 Tagen schon besser.

Kopfschmerzen
Heute plötzlich tierische Kopfschmerzen. Vielleicht auch wieder bedingt durch das Wetter

Sonstiges
Rückenschmerzen bei einfachen Bewegungen, hielt nur kurz an. An einem Tag plötzlich heftige allergische Reaktion im Auge. Ich weiß ich habe Heuschnupfen, trotzdem seltsam nur an einem Tag und dann zweimal recht heftig.

Somit alles erklärbar. Aber vor der Diagnose waren die Symptome ebenfalls erklärbar. Damals wäre ich nie von einer Krebsdiagnose ausgegangen. Also warum sollte es dieses Mal nicht ein Rezidiv sein?

Verdammte Schleife, die sich alle 3 Monate wiederholt. Eine Endlosschleife befürchte ich.

Am Mittwoch, in 5 Tagen, werde ich es wissen. Mal sehen was mich bis dahin noch so alles beschäftigen bzw belasten wird.



Relevante Themen:

30. Juni 2020

Mr. T
Lesedauer: < 1 minute
mehr

Nach fünf Jahren mal wieder in die Röhre gegangen. Einiges an Erinnerungen zum damaligen PSMA/PET Scan sind dabei zwangsläufig wieder aufgekommen.

Aufgrund von Taubheitsgefühlen im rechten Bein, wurde eine MRT Untersuchung veranlasst. Die Sorge das irgendwas vom PCa herrührt sind natürlich gleich aufgekommen. Bei meiner Schwester streute damals der Krebs, welches unter anderem zu erheblichen Probleme am Bein führte. Am Ende war Sie nicht mehr in der Lage zu laufen. Daher die angestrengte Angst bei uns, wenn es mal mehr als nur ein bisschen juckt.

Allerdings hatte ich erst knapp zwei Wochen vorher meinen regulären 3-Monats-PSA-Test gemacht. Dieser zeigte keinen Nachweis von PCa. Insofern war ich etwas unbesorgter, aber Mann weiss ja nie. Und schon die erste Untersuchung beim Orthopäden zeigte beim Röntgen keinen Hinweis auf Knochenmetastasen oder ähnliches was auf PCa zurückzuführen wäre.

Das MRT ist nochmal etwas eindeutiger und zeigte ebenso keine Anzeichen. Das Problem ist insofern auf einen normalen Verschleiß zurückzuführen.

Mal sehen was der Orthopäde zur weiteren Behandlung veranlassen wird, aber es sollte keine große Sachen sein.



Relevante Themen:

17. Juli 2023

HNPCC
Lesedauer: 2 Minuten
mehr

»HNPCC kann im Magen entstehen, im Dünndarm, im Dickdarm, im Nierenbecken, in den Harnleitern, in der Gebärmutterschleimhaut, in den Eierstöcken, in der Haut und selten auch im Gehirn. Zudem besteht bei HNPCC-Patienten ein erhöhtes Risiko für das zeitgleiche Auftreten weiterer Krebserkrankungen«

Also kein Zuckerschlecken. Hat ein Elternteil diesen Gendefekt, dann besteht für die Nachkommen eine 50%ige Wahrscheinlichkeit diesen Defekt ebenfalls zu erben.

Durch einen Gentest (Blutuntersuchung) kann bestimmt werden ob eine Person davon betroffen ist oder nicht. Ist dieser negativ, kann man das Kapitel für immer schließen. Ist dieser jedoch positiv, dann sollte man achtsam sein und Vorsorge betreiben (jährliche Endoskopie).

Wird dies aber ignoriert, sind die Folgen sehr wahrscheinlich dramatischer. Hätte ich genau so gehandelt, wäre der Verlauf ein sicherlich anderer gewesen - ob mit Todesfolge ist Spekulation, aber wahrscheinlicher. Ziemlich sicher aber mit erheblichen Folgen und Nebenwirkungen, wie Entfernung des kompletten Dickdarms, Stoma, etc.

Ich kann nur jedem empfehlen dem ein solches Risiko bekannt ist, aktiv zu werden. Wir haben in unserer Familie leider schon einige Krebserkrankungen mit und ohne Todesfolge erlebt. 4 von 7 Fällen sind mit hoher Sicherheit auf diesen Gendefekt zurückzuführen.

Ein Gastronoentorologe meinte einmal: "Herr Pilpin, dieser erblich bedingter Tumor ist aggressiv. Selbst bei einer regelmäßigen 12 monatigen Untersuchung, kann der Tumor so fortgeschritten sein, dass bei Diagnose bereits eine Streuung vorliegt".

Dieses "Erbe" kannst du nicht ausschlagen, somit ist Ignoranz und Verdrängung mehr als fahrlässig. Lieber Vorsorge als unter Umständen schwere Verläufe nach zu spät erfolgter Diagnostik.



Relevante Themen:

28. Oktober 2025

Hämaturie
Lesedauer: 2 Minuten
mehr

Wieder einmal Blut im Urin.

Leider war meine Urologin, Nachfolgerin meines inzwischen in Ruhestand gegangenen Urologen, im Urlaub. So konnte erstmal nur eine Urinprobe genommen und auf eine Entzündung hin getestet werden. Diese war dann negativ, was nicht zwingend positiv ist: eine Entzündung kann mit Antibiotika behandelt werden. Außerdem wäre die Ursache eventuell etwas eingegrenzt, auch wenn weitere Untersuchungen nicht gleich ausgeschlossen wären. Jetzt muss aber ziemlich sicher gespiegelt werden um genaueres festzustellen.

Warten ist halt ziemlich blöd, weil immer wieder Blut im Urin ist. Mal mehr, mal weniger. Macht schon nervös. Mal hoffen das es was mit der Niere ist. Hatte letztes Jahr bereits einen Harnstau. Nachdem sich diese gelöst hatte, war auch Blut im Urin. Insofern ist es momentan meine Hoffnung das sich die Blutung damit erklärt und das es kein Tumor ist. Eine weitere bildgebende Untersuchung zur Niere im letzten Jahr brachte ebenfalls keine weiteren Erkenntnisse.

Blasenspiegelung heute demnach erstmal nicht durchgeführt, weil meine Urologin den letzten Radiologiebericht mit Großhadern klären will. Ergebnis könnte eine Spiegelung bis zur Niere sein. Dies kann nur stationär durchgeführt werden. Deshalb will sie mir und meinen Sphinkter eine Blasenspiegelung heute ersparen.

Laut Radiologiebericht vom Juni ist beim letzten CT eine Aussparung in der Niere zu erkennen gewesen. Dies wurde mir damals so nicht erklärt und schon gar nicht empfohlen dies mit einem Urologen  klären zu müssen. Die Worte an die ich mich erinnere waren: es hat sich zum letzten CT nicht vergrößert.

Auch hat der Hausarzt nicht reagiert, sofern dieser den Bericht überhaupt erhalten hat. Ärgerlich wenn Zahnräder nicht ineinander greifen.

Ein PSA Test wurde heute auch mitgemacht. Zur Sicherheit wird die Zeitspanne jetzt wieder auf 6 Monate verkürzt.

Jetzt also erstmal auf Rückmeldung aus Großhadern warten...



Relevante Themen:

8. Dezember 2025

All Screwed up
Lesedauer: 5 Minuten
mehr

Übersetzt "Operation gelungen, Patient tot".

Etwas überspitzt, dennoch beschreibt dieser sarkastische Ausdruck meine Erfahrungen bezüglich der zweiten Laserbehandlung letzte Woche.

Ich bin natürlich nicht gestorben. Dennoch war der gesamte Ablauf fast schon irrwitzig, wenngleich der Eingriff erfolgreich war.

Es fing damit an, dass meine OP auf den nächsten Tag verschoben werden musste, nachdem ich von morgens bis 15 Uhr nüchtern auf die OP habe warten müssen. Kann passieren, auch wenn mir vorher gesagt wurde, dass die drei OPs vor mir eigentlich kleine Eingriffe waren.

Am nächsten Morgen während der Visite wurde mir gesagt das die OP auf alle Fälle heute stattfinden wird und ich an zweiter Stelle stehe. Kurz nach der Visite wurde ich dann auch umgehend in den OP Vorbereitungsraum gebracht. Ich war gegen 8.15 Uhr dort. Allerdings kam ich erst kurz nach 13 Uhr in den OP-Saal . Ich lag also bereits über 4 Stunden, nervlich am Ende, in diesem Vorbereitungsraum. Kann passieren.

Nach zwei Stunden im Vorbereitungsraum habe ich gebeten meiner Frau über die Verzögerung Bescheid geben zu können. Schließlich hat sie mitbekommen das ich früh am Morgen abgeholt wurde. Der Anruf hat immerhin geklappt. Allerdings wurde sie nicht angerufen, nachdem ich mit der OP fertig war. Man gibt extra eine Kontaktperson an, welche nach der OP informiert werden soll. Das hat bisher auch immer geklappt. Dieses mal aber nicht. Das darf nicht passieren!

Ich kam dann nach der OP gegen 16 Uhr in mein Zimmer zurück. Ich wartete auf einen Arzt um Infos zum Verlauf der OP zu bekommen. Nachdem niemand kam, fragte ich bei der Pflege nach. Sie meinte heute kommt niemand mehr. Ich fragte überrascht nach und mir wurde dann gesagt das alle bereits auf der Weihnachtsfeier sind. Kann passieren.

Dann am nächsten Tag (Samstag), natürlich keine reguläre Visite, weil die Ärzte bereits im Wochenende waren. Gegen 9.30 Uhr kam dann endlich eine Ärztin und klärte mich über die OP auf. Ich bat um einen Entlassung an diesem Tag. Mir wurde der Katheter gezogen, ein Ultraschall gemacht und der künstliche Schließmuskel (Sphinkter) aktiviert. Dachte ich zumindest. Auf dem Weg nach Hause bemerkte ich aber das dieser undicht bzw nicht "richtig" aktiviert wurde. Kann passieren.

Jetzt bin erstmal inkontinent ohne wirklich darauf vorbereitet zu sein. Es ist Wochenende. Zum Glück hatte ich noch ein paar Einlagen, von vor dem einsetzen des künstlichen Schließmuskels vor 8 Jahren, übrig.

Am darauffolgenden Montag wollte ich spontan auf die Station fahren, um mir den Schließmuskel nochmal aktivieren zu lassen. Eigentlich ein Handgriff von nur ein paar Minuten. Zum Glück rief ich vorher an und der Stationsarzt meinte das ginge nicht! Ich muss dafür in die Poliklinik (ambulante Urologie). Termin aber erst in 4 Tagen möglich.

Ich bin enttäuscht und entsetzt. Inkontinent und nicht wissend ob der Schließmuskel durch den letzten Eingriff eventuell nicht auch beschädigt wurde, muss ich jetzt wieder warten.

Jeder einzelne Vorfall in dieser Geschichte kann natürlich passieren. Aber das es mich dieses mal so geballt trifft, ist sehr bedauerlich. Übel finde ich vor allem den Umstand der Weihnachtsfeier und der nicht-Informationen nach der OP. Ich habe, als ich nach der OP im Zimmer lag und die Tür noch offen stand, einen mir bekannten Arzt noch im Kittel gesehen. Er hielt es offensichtlich nicht für nötig mich zu informieren. Er hätte mir schließlich nur kurz mitteilen können das alles gut gelaufen ist und ich am nächsten Tag mehr Details erhalte. Völlig ok für mich. Mich aber uninformiert die Nacht dort liegen zu lassen, empfand ich als äußerst enttäuschend.

Und jetzt ganze 6 Tage nach dem verlassen der Klinik auf die Aktivierung des Schließmuskels warten zu müssen, toppt das ganze noch.

In dieser ganzen Geschichte gab es zudem unzählige Anmerkungen, Kommentare die auf mich wie Falschinformationen wirkten. Ich meinte einem Arzt und den Pflegern gegenüber, ich fühle mich wie bei der Deutschen Bahn: völlig intransparente und irreführende Informationen. Ein Beispiel dafür war die morgendliche Visite nach der ersten OP Verschiebung. Der Oberarzt fragte mich wie die OP verlaufen sei. Ich meinte sarkastisch: schmerzfrei. Grummeln und Grinsen bei den anderen Ärzten. Es gab dann die Bemerkung eines Arztes, das die OP verschoben werden musste. Der Oberarzt "was not amused". Das war deutlich an seinem Gesichtsausdruck zu erkennen. Entweder weil es ihm mir gegenüber unangenehm war, oder weil er im Vorfeld nicht richtig gebrieft wurde. Ich vermute letzteres.

Am Ende ist natürlich der medizinische Eingriff zu bewerten - und dieser war immerhin erfolgreich. Dennoch bleibt ein Geschmäckle bei mir hängen. Ich werde diese Behandlung aller Voraussicht nach in Großhadern noch abschließen. Alle weiteren urologischen Eingriffe überlege ich mir aber woanders machen zu lassen.

Nachdem Prof. Stief, Chefarzt der Urologie, in ein paar Monaten in den Ruhestand gehen wird, kann es eigentlich nicht besser, sondern eher schlechter werden. Prof. Stief ist ein besonderer Arzt, dem ich mein Leben zu verdanken habe (nicht übertrieben). Er persönlich und seine damaligen Ober- und Assistenzärzte (Prof. Gratzke und Dr. Herlemann) waren nicht nur empathisch und standen mir in allen Belangen unterstützend zur Seite, auch noch nach der OP.

Wenn diese tollen Ärzte nicht mehr da sind und bereits heute diese Empathie nicht mehr "unten" ankommt, wie soll sich das dann noch zum positiven ändern?



Relevante Themen:

14. März 2026

Toxisch
Lesedauer: < 1 minute
mehr

Neulich war die Beisetzung eines ehemaligen Kollegen. Herzstillstand mit 65 Jahren. Ein paar Monate vor dem Ruhestand. Tragisch.

Dort sah ich nach knapp vier Jahren einige meiner alten Kollegen wieder. Unter diesen Umständen war das Treffen alles andere als erfreulich, dennoch tat es mir im Prinzip gut, sie zu sehen. Man lud mich ein, einer privaten Gruppe beizutreten, die sich ein- bis zweimal im Jahr trifft.

Ich habe abgelehnt.

Warum? Weil die kurzen Gespräche vor und nach der Beisetzung mich leider zu sehr an die toxische Beziehung zu meinem ehemaligen Arbeitgeber erinnerten. Die Kollegen tragen keine Schuld daran, aber meine negativen Erinnerungen an die Firma sind untrennbar mit ihnen verknüpft. Die Wunden sind noch nicht geheilt, werden es vielleicht auch nie. Ich fühlte mich innerlich zerrissen, überflutet von negativen Erinnerungen. Ich ließ mich verleiten über die negativen Dinge von damals zu sprechen. Das tat nicht gut.

Einige Beiträge aus jener Zeit habe ich nie veröffentlicht. Lese ich diese Entwürfe heute, kommen alte Gefühle hoch und ich weiss wieder warum ich den Kontakt zu allen ehemaligen Arbeitskollegen abgebrochen habe.



Relevante Themen:

5. April 2026

Nachsorgemarathon
Lesedauer: 3 Minuten
mehr

Aktuell überschneiden sich die Kontrolltermine für zwei meiner drei Baustellen: Darm und Nierenbecken.

Das bedeutet drei Wochen volle Konzentration auf die Gesundheit: Zuerst ein CT. Eine Woche später die Magen-Darmspiegelung. Wieder eine Woche später eine Re-URS (Endoskopie Harnleiter). PSA-Wert wird nebenbei auch noch ermittelt.

Leider waren nur 3 von 4 Untersuchungen positiv:

  1. CT
    Keine sichtbaren Tumore oder Rezidiv!

  2. Magen-Darmspiegelung
    keine Polypen, so dass der Untersuchungsintervall jetzt wieder auf 12 Monate erhöht wird!

  3. Re-URS
    Leider war an der bereits auf Niveau behandelten Stelle wieder eine Erhöhung sichtbar. Eine erneute Laserung deshalb notwendig!

  4. PSA
    Ist weiter unter der Nachweisgrenze, somit ist der Prostatakrebs ebenfalls weiterhin eingedämmt.

Entwarnung bei der Magenspiegelung

Besonders vor der Magenspiegelung hatte ich im Vorfeld ein mulmiges Gefühl. Die Erleichterung danach war groß: Außer eine leichte Entzündung der Magenschleimhaut gab es keine auffälligen Befunde.

Es ist erstaunlich, wie sehr einem die eigene Psyche einen Streich spielen kann. Man meint, körperliche Symptome ganz deutlich zu spüren, die sich am Ende als unbegründet erweisen. Aber am Ende gilt: Der Kopf macht einen zwar manchmal verrückt, aber das ist mir tausendmal lieber als eine böse Überraschung.

Dämpfer bei der Re-URS: Ein gemischtes Ergebnis

Im Gegensatz zur Magenspiegelung bin ich die Re-URS (Harnleiter-Endoskopie) eigentlich sehr optimistisch angegangen. Leider gab es hier einen kleinen Rückschlag: Es wurde doch wieder etwas entdeckt.

Die aktuelle Einschätzung der Mediziner: es besteht die Hoffnung, dass sich die Situation erst noch „einspielen“ muss. Es ist möglich, dass beim nächsten Termin kein neues Wachstum mehr zu finden ist.

Fakt ist jedoch: eine absolute Gewissheit kann mir aktuell niemand geben.

Nach dem positiven Kopfkino der Vorwoche ist das natürlich ein Dämpfer. Es bleibt ein Spiel auf Zeit und die Erkenntnis, dass bei der Nachsorge eben doch alles offen bleibt, bis der Befund steht.

Die Konsequenz: Das Thema Nierenentfernung steht wieder im Raum

Durch diesen erneuten Befund rückt eine Option wieder näher, die ich eigentlich gehofft hatte, hinter mir gelassen zu haben: die Entfernung der Niere (Nephrektomie).

Was das für mich bedeutet:

  • Die Ungewissheit bleibt: Ob es beim nächsten Mal tatsächlich „ausgeheilt“ ist oder ob das Wachstum weitergeht, lässt sich nicht mit Sicherheit vorhersagen.
  • Die harte Realität: Sollte sich die Situation nicht stabilisieren, wird der operative Eingriff zur Entfernung des Organs irgendwann unumgänglich, um das Risiko einer weiteren Ausbreitung zu minimieren.

Es ist ein Wechselbad der Gefühle. Während die Magenspiegelung für Erleichterung sorgte, fordert die Niere nun wieder meine volle mentale Stärke.

Jetzt heißt es erst einmal: Abwarten, die Nerven behalten und den nächsten Schritt mit den Ärzten genau planen.



Relevante Themen: