10. September 2026

Kehrtwende

Ich war entsprechend erleichtert als sich endlich eine Lösung (Zystektomie) für meine beiden Probleme (Harnleiter- und Harnröhrenstriktur) abzeichnete.

Allerdings bedeutet eine Zystektomie mit Ileum-Conduit-Anlage eine enorme, unwiderrufliche Veränderung. Ein solcher Schritt lässt sich nicht rückgängig machen und muss deshalb wohlüberlegt sein. Nach unzähligen Gedanken, Abwägungen und Gesprächen habe ich mich nun entschieden:

Ich verschiebe diesen Eingriff vorerst!


Meine Beweggründe im Einzelnen:

1. Vorsicht statt voreiliger Entscheidung

Ich möchte zunächst abwarten, ob der Tumor wirklich dauerhaft besiegt ist. Der Gedanke an das Schlimmste Szenario lässt mich nicht los: Wäre die Blase bereits entfernt und käme der Tumor zurück und müsste nun zusätzlich eine Niere dran glauben, wäre das kaum zu ertragen. Diese Zeit des Abwartens kaufe ich mir lieber, als ein Risiko einzugehen, das ich nicht abschätzen kann.

2. Eine überraschende Alternative für den Harnleiter

Es gibt offenbar eine weitere Option: Der Harnleiter kann rekonstruiert werden. Dabei habe ich erfahren, dass sich die Striktur im Vergleich zum Vorherbefund sogar zurückentwickelt hat – ein wichtiger Fakt, der mir bislang nie mitgeteilt wurde! Mit der aktuellen Situation würde das bedeuten: Der beschädigte Abschnitt der Striktur wird entfernt und der verbleibende Harnleiter „umverlegt", sodass er von oben statt von unten in die Blase eintritt.

3. Selbstkatheterismus als neue Normalität

Da die Harnröhre nicht vollständig dicht ist, katheterisiere ich mich inzwischen selbst. Es gibt Einmalkatheter, mit denen ich einen Harnverhalt eigenständig lösen kann. Zugegeben: Der Gedanke, sich einen solchen Katheter selbst einzuführen, ist anfangs kaum vorstellbar. Aber es geht. Die Verzweiflung über vergangene Harnverhalte und die Angst vor dem nächsten lassen mich diese anfängliche Scheu schnell überwinden.

Mein Fazit

Damit existieren für beide Probleme derzeit Lösungen beziehungsweise überzeugende Lösungsansätze. Ich gewinne Zeit und kann beobachten, wie sich die Lage entwickelt – bevor ich den letzten großen Schritt einer Zystektomie gehe. Und sollte dieser doch noch nötig werden: Diese Option bleibt mir jederzeit offen.


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