Harnverhalt

26. Mai 2026

Harnverhalt
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Am nächsten Morgen nach der letzten Harnleiter-Spiegelung (Re-URS) konnte ich plötzlich nicht mehr wasserlassen. Ab 6 Uhr kam kein einziger Tropfen mehr raus.

Beim vorherigen Eingriff hatte ich das gleiche Problem. Allerdings wurde der Schließmuskel bei der Entlassung damals aktiviert. Ich habe es trotz der Anstrengung erstmalig geschafft den Schließmuskel selbst zu deaktivieren. Kurze Zeit später konnte ich wieder wasserlassen. Somit erkannte ich einen Zusammenhang zwischen Aktivierung und Harnverhalt.

Für mich war klar das ein weiterer Harnverhalt vermieden werden kann, wenn ich den Schließmuskel bei der Entlassung gleich deaktiviert lasse. Pustekuchen!

Ich habe versucht die Blockade durch Bewegungen (tief in die Hocke gehen etc.) und einem warmen Bad zu lösen. Hat nicht funktioniert. Gegen 10 Uhr wurde ich dann von meiner Frau unter Schmerzen in die Klinik gefahren. Eine knappe Stunde Fahrt. Es war die Hölle.

Zum Glück kam ich sofort dran, und es wurde mir gleich ein Katheter gelegt. Welch ein Wohltat.

Der Katheter wurde heute nach 5 Tagen wieder entfernt. Vorsorglich wurde mir beim legen des Katheters noch etwas gegen die Schwellung gegeben. Jetzt muss ich hoffen das die Harnröhre sich erholt hat und der Ausgang offen bleibt. Bisher läuft es.

Bei der Gelegenheit wurde mir dann noch das Ergebnis der Pathologie mitgeteilt: kein Nachweis vom Tumor!

Das ist erstmal das Wichtigste!



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13. Juli 2026

Harnverhalt Vol. IV
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Am Sonntag kam ich, nach dem gescheiterten Auslassversuch, aus dem Krankenhaus. Montagmorgen um 9:30 Uhr ging es wieder rein. Zum vierten mal Harnverhalt!

Jetzt trage ich einen Blasenkatheter für die nächsten 10 Tage, dann wollen sie sich die Harnröhre noch einmal anschauen.

Weiss nur nicht was sie finden wollen? Sie haben sich die Harnröhre zuletzt, während die Harnleiterschiene gewechselt wurde, genauer angeschaut und nichts auffälliges gesehen.

Ist es einfach nur gereizt durch die ständigen Eingriffe? Ich hoffe inständig, denn sich ständig Sorge um einen Harnverhalt zu machen, schränkt das Leben erheblich ein.



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6. August 2026

Sprengung nach dem 5. Harnverhalt
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Letzten Samstag wieder einmal Notaufnahme wegen Harnverhalt. Der insgesamt fünfte innerhalb von 2½ Monaten.

Am darauffolgende Donnerstag, also heute, wäre eigentlich der Termin zur Aktivierung des künstlichen Schließmuskels gewesen. Jetzt halt wieder Katheter ziehen und weitere Untersuchungen.

So fand u.a. eine Blasenspiegelung statt, um die Engstelle in der Harnröhre zu identifizieren. Es gibt zwei Ursachen:

1. Künstlicher Schließmuskel

2. Anastomosenstriktur

Zur Blasenspiegelung muss ich erwähnen, die Frauen kennen das vom Gynäkologen, liegst du breitbeinig vor dem Arzt. Für uns Männer sehr gewöhnungsbedürftig. Ich selbst bin es bereits gewohnt.

Die Vermutung derzeit ist das die Anastomose den Harnverhalt verursacht. Die Anastomose ist die - einfach gesagt - neue Nahtstelle, die nach der Entfernung der Prostata entsteht.

Diese Naht kann verkrusten und dadurch zur Engstelle werden. Das war 2016 bereits bei mir der Fall, als die Harnröhre während der Bestrahlung dicht machte.

Um die Bestrahlung nicht abzubrechen wurde mir damals ein Bauchdeckenkatheter gesetzt. Erst Monate später wurde dann die Striktur operativ entfernt.

Jetzt gibt es eine minimalinvasive Methode: Dazu wird ein Ballon in die Harnröhre eingeführt, welches mit Medikamenten beschichtet ist. Dieser Ballon bleibt ein Tag an der Stelle. Diese dient auch gleichzeitig als Katheter. Der Ballon dehnt bzw sprengt die Harnröhre und durch die Mikrorisse im Urothel wird das Medikament abgegeben, so dass hoffentlich eine mögliche Linderung eintritt und weitere Harnverhalte zukünftig vermieden werden können.

In 10 Tagen geht es dafür wieder ins Krankenhaus. Ich hoffe der Harnverhalt ist danach erstmal Geschichte!



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19. August 2026

What the hell
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Letztens wurde die Anastomosenstrikur gesprengt. Tags darauf wurde ich entlassen.

Am nächsten Vormittag wieder Harnverhalt!

WTF!

Verzweifelt, frustriert und am Boden zerstört bin ich in eine andere Klinik gefahren. Nachdem mir notfallmäßig ein Katheter gelegt wurde, hatte ich das Glück, einen Termin bei einem Chefarzt zu erhalten. Sie hatten wohl Mitleid mit mir.

Sein Therapieansatz war ein Schock: Zystektomie (Blasenentfernung) mit künstlicher Harnableitung!

Er meint, das sei die einzig sinnvolle Therapie, um langfristig Ruhe zu haben. Ultima Ratio, sozusagen.

Alles andere könne vielleicht kurzfristig helfen, aber aufgrund seiner Erfahrung sei dies nur Flickschusterei.

Das muss ich erstmal setzen lassen.

Aber er hat mir ein Gefühl gegeben, dass er recht hat (auch aufgrund von Alter und Erfahrung). Ich hatte zuletzt bereits mit den Lösungsansätzen in meiner ursprünglichen Klinik gehadert. Offensichtlich gibt es keine belegbaren wissenschaftlichen Studien, die für den Einsatz von Optilume (Ballondilatationssystem) bei einer Anastomosenstrikur sprechen. Es existieren Studien für Harnröhrenstrikturen, aber eben nicht speziell für eine Anastomosenstrikur (so habe ich ihn verstanden).

Damit bestätigt sich mein Eindruck eines „Trial and Error"-Ansatzes bei den bisherigen Eingriffen, um das Problem mit der Harnröhre in den Griff zu bekommen. Was den Ansatz der Laserung und dem Erhalt der Niere betrifft bin ich den Ärzten absolut dankbar das das so geklappt hat.

Aber ein an sich kleines Problemchen baut sich nun zu einem Tsunami auf.

Jetzt geht es darum zu entscheiden, ob ich diesen radikalen, nicht umkehrbaren, Weg gehen soll oder doch eher einen konservativen, vermutlich langwierigen, Weg einschlagen soll.

Ich bin überfordert.



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3. September 2026

Katheter hat sich selbständig gemacht
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Am Abend war ich erschrocken als ich bemerkte das der Katheter plötzlich vollständig in meiner Unterhose lag!

Dieser hat sich von alleine gelöst. Habe ich noch nie gehabt. Schreck war erstmal groß, aber nach kurzer Recherche, kann das durchaus passieren.

Da ich erstmal weiter pinkeln konnte, bin ich auch nicht sofort in die Klinik gefahren. Über Nacht ging sogar gut was raus.

Am Morgen dann aber  nicht mehr. 8. Harnverhalt - ab in die Klinik zum neuerlichen Katheter legen!

Es bleibt mir anscheinend auch nichts erspart.



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10. September 2026

Kehrtwende
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Ich war entsprechend erleichtert als sich endlich eine Lösung (Zystektomie) für meine beiden Probleme (Harnleiter- und Harnröhrenstriktur) abzeichnete.

Allerdings bedeutet eine Zystektomie mit Ileum-Conduit-Anlage eine enorme, unwiderrufliche Veränderung. Ein solcher Schritt lässt sich nicht rückgängig machen und muss deshalb wohlüberlegt sein. Nach unzähligen Gedanken, Abwägungen und Gesprächen habe ich mich nun entschieden:

Ich verschiebe diesen Eingriff vorerst!


Meine Beweggründe im Einzelnen:

1. Vorsicht statt voreiliger Entscheidung

Ich möchte zunächst abwarten, ob der Tumor wirklich dauerhaft besiegt ist. Der Gedanke an das Schlimmste Szenario lässt mich nicht los: Wäre die Blase bereits entfernt und käme der Tumor zurück und müsste nun zusätzlich eine Niere dran glauben, wäre das kaum zu ertragen. Diese Zeit des Abwartens kaufe ich mir lieber, als ein Risiko einzugehen, das ich nicht abschätzen kann.

2. Eine überraschende Alternative für den Harnleiter

Es gibt offenbar eine weitere Option: Der Harnleiter kann rekonstruiert werden. Dabei habe ich erfahren, dass sich die Striktur im Vergleich zum Vorherbefund sogar zurückentwickelt hat – ein wichtiger Fakt, der mir bislang nie mitgeteilt wurde! Mit der aktuellen Situation würde das bedeuten: Der beschädigte Abschnitt der Striktur wird entfernt und der verbleibende Harnleiter „umverlegt", sodass er von oben statt von unten in die Blase eintritt.

3. Selbstkatheterismus als neue Normalität

Da die Harnröhre nicht vollständig dicht ist, katheterisiere ich mich inzwischen selbst. Es gibt Einmalkatheter, mit denen ich einen Harnverhalt eigenständig lösen kann. Zugegeben: Der Gedanke, sich einen solchen Katheter selbst einzuführen, ist anfangs kaum vorstellbar. Aber es geht. Die Verzweiflung über vergangene Harnverhalte und die Angst vor dem nächsten lassen mich diese anfängliche Scheu schnell überwinden.

Mein Fazit

Damit existieren für beide Probleme derzeit Lösungen beziehungsweise überzeugende Lösungsansätze. Ich gewinne Zeit und kann beobachten, wie sich die Lage entwickelt – bevor ich den letzten großen Schritt einer Zystektomie gehe. Und sollte dieser doch noch nötig werden: Diese Option bleibt mir jederzeit offen.



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