
19. August 2026
Letztens wurde die Anastomosenstrikur gesprengt. Tags darauf wurde ich entlassen.
Am nächsten Vormittag wieder Harnverhalt!
WTF!
Verzweifelt, frustriert und am Boden zerstört bin ich in eine andere Klinik gefahren. Nachdem mir notfallmäßig ein Katheter gelegt wurde, hatte ich das Glück, einen Termin bei einem Chefarzt zu erhalten. Sie hatten wohl Mitleid mit mir.
Sein Therapieansatz war ein Schock: Zystektomie (Blasenentfernung) mit künstlicher Harnableitung!
Er meint, das sei die einzig sinnvolle Therapie, um langfristig Ruhe zu haben. Ultima Ratio, sozusagen.
Alles andere könne vielleicht kurzfristig helfen, aber aufgrund seiner Erfahrung sei dies nur Flickschusterei.
Das muss ich erstmal setzen lassen.
Aber er hat mir ein Gefühl gegeben, dass er recht hat (auch aufgrund von Alter und Erfahrung). Ich hatte zuletzt bereits mit den Lösungsansätzen in meiner ursprünglichen Klinik gehadert. Offensichtlich gibt es keine belegbaren wissenschaftlichen Studien, die für den Einsatz von Optilume (Ballondilatationssystem) bei einer Anastomosenstrikur sprechen. Es existieren Studien für Harnröhrenstrikturen, aber eben nicht speziell für eine Anastomosenstrikur (so habe ich ihn verstanden).
Damit bestätigt sich mein Eindruck eines „Trial and Error"-Ansatzes bei den bisherigen Eingriffen, um das Problem mit der Harnröhre in den Griff zu bekommen. Was den Ansatz der Laserung und dem Erhalt der Niere betrifft bin ich den Ärzten absolut dankbar das das so geklappt hat.
Aber ein an sich kleines Problemchen baut sich nun zu einem Tsunami auf.
Jetzt geht es darum zu entscheiden, ob ich diesen radikalen, nicht umkehrbaren, Weg gehen soll oder doch eher einen konservativen, vermutlich langwierigen, Weg einschlagen soll.
Ich bin überfordert.
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10. September 2026
Ich war entsprechend erleichtert als sich endlich eine Lösung (Zystektomie) für meine beiden Probleme (Harnleiter- und Harnröhrenstriktur) abzeichnete.
Allerdings bedeutet eine Zystektomie mit Ileum-Conduit-Anlage eine enorme, unwiderrufliche Veränderung. Ein solcher Schritt lässt sich nicht rückgängig machen und muss deshalb wohlüberlegt sein. Nach unzähligen Gedanken, Abwägungen und Gesprächen habe ich mich nun entschieden:
Ich verschiebe diesen Eingriff vorerst!
Ich möchte zunächst abwarten, ob der Tumor wirklich dauerhaft besiegt ist. Der Gedanke an das Schlimmste Szenario lässt mich nicht los: Wäre die Blase bereits entfernt und käme der Tumor zurück und müsste nun zusätzlich eine Niere dran glauben, wäre das kaum zu ertragen. Diese Zeit des Abwartens kaufe ich mir lieber, als ein Risiko einzugehen, das ich nicht abschätzen kann.
Es gibt offenbar eine weitere Option: Der Harnleiter kann rekonstruiert werden. Dabei habe ich erfahren, dass sich die Striktur im Vergleich zum Vorherbefund sogar zurückentwickelt hat – ein wichtiger Fakt, der mir bislang nie mitgeteilt wurde! Mit der aktuellen Situation würde das bedeuten: Der beschädigte Abschnitt der Striktur wird entfernt und der verbleibende Harnleiter „umverlegt", sodass er von oben statt von unten in die Blase eintritt.
Da die Harnröhre nicht vollständig dicht ist, katheterisiere ich mich inzwischen selbst. Es gibt Einmalkatheter, mit denen ich einen Harnverhalt eigenständig lösen kann. Zugegeben: Der Gedanke, sich einen solchen Katheter selbst einzuführen, ist anfangs kaum vorstellbar. Aber es geht. Die Verzweiflung über vergangene Harnverhalte und die Angst vor dem nächsten lassen mich diese anfängliche Scheu schnell überwinden.
Damit existieren für beide Probleme derzeit Lösungen beziehungsweise überzeugende Lösungsansätze. Ich gewinne Zeit und kann beobachten, wie sich die Lage entwickelt – bevor ich den letzten großen Schritt einer Zystektomie gehe. Und sollte dieser doch noch nötig werden: Diese Option bleibt mir jederzeit offen.
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